Impfungen beim Hund: Was ist wirklich nötig?

Gesundheit & Vorsorge🕐 6 Min. LesezeitStand: Juni 2026

ℹ️ Dieser Artikel wurde sorgfältig recherchiert, ersetzt aber keine tierärztliche Beratung. Bei gesundheitlichen Problemen deines Hundes wende dich immer an eine Tierarztpraxis oder Tierklinik.

Kaum ein Thema wird unter Hundemenschen so leidenschaftlich diskutiert wie das Impfen. Die gute Nachricht: Es gibt eine klare fachliche Leitlinie. In Deutschland orientieren sich Tierärzt:innen an den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission Veterinärmedizin (StIKo Vet) – und die unterscheidet zwischen Impfungen, die jeder Hund haben sollte, und solchen, die vom individuellen Risiko abhängen.

Core-Impfungen: das Pflichtprogramm

KrankheitWarum impfen?
StaupeSchwere Viruserkrankung (Nerven, Atemwege, Darm), oft tödlich – dank Impfung selten geworden
ParvoviroseHochansteckender „Katzenseuche-Verwandter“, besonders für Welpen lebensgefährlich
Hepatitis (HCC)Ansteckende Leberentzündung durch Adenoviren
LeptospiroseBakterien aus Pfützen/Nagerurin – kann auch Menschen anstecken; jährliche Auffrischung
TollwutImmer tödlich, meldepflichtig – und rechtlich wichtig (Reisen, Seuchenfall)

Deutschland gilt zwar seit 2008 als frei von terrestrischer Tollwut, aber: Ohne gültigen Tollwutschutz darf dein Hund nicht über Grenzen reisen, und im (seltenen) Verdachtsfall drohen behördliche Maßnahmen bis hin zur Quarantäne. Die Impfung ist also auch eine rechtliche Absicherung.

Non-Core: sinnvoll je nach Lebensstil

  • Zwingerhusten (Bordetella/Parainfluenza): empfohlen bei viel Hundekontakt – Hundeschule, Hundepension, Ausstellungen. Viele Einrichtungen verlangen ihn.
  • Borreliose: diskutiert; in Zeckengebieten eine Option – konsequenter Zeckenschutz bleibt trotzdem Pflicht.
  • Herpes: vor allem für Zuchthündinnen relevant.
  • Reisekrankheiten: Vor Auslandsreisen (z. B. Mittelmeer) rechtzeitig zur Reiseberatung – Stichwort Leishmaniose-Prophylaxe.

Grundimmunisierung beim Welpen

Der übliche Fahrplan: Impfungen in der 8., 12. und 16. Lebenswoche plus eine Auffrischung um den 15. Lebensmonat – erst damit ist die Grundimmunisierung komplett. Der Grund für die Wiederholungen: Mütterliche Antikörper können frühe Impfungen abfangen, und niemand weiß genau, wann dieser Schutz beim einzelnen Welpen nachlässt.

Danach gilt: nicht jede Impfung jährlich! Staupe, Hepatitis und Parvovirose halten nach kompletter Grundimmunisierung in der Regel drei Jahre, moderne Tollwut-Impfstoffe je nach Präparat ebenfalls bis zu drei Jahre. Nur Leptospirose (und ggf. Zwingerhusten) brauchen die jährliche Auffrischung.

Titerbestimmung: die Alternative zum Blindflug

Für Staupe, Hepatitis und Parvovirose lässt sich per Bluttest messen, ob noch schützende Antikörper vorhanden sind (Titerbestimmung). Das ist eine seriöse Option, um unnötige Wiederholungsimpfungen zu vermeiden – wichtig zu wissen: Für Tollwut zählt rechtlich nur die dokumentierte Impfung, kein Titer.

Warum die Hundeschule nach dem Impfpass fragt

In einer Welpengruppe treffen Hunde aufeinander, deren Immunschutz noch im Aufbau ist – ein einziger Parvovirose-Fall wäre eine Katastrophe. Seriöse Hundeschulen verlangen deshalb einen altersgerechten Impfstatus und dokumentieren ihn. Das schützt deinen Hund genauso wie alle anderen.

💡 Nie wieder Impftermin verpassen

Moderne Hundeschulen führen den Impfstatus digital in der Hundeakte – bei Tatzenplan-Schulen wirst du sogar automatisch erinnert, bevor der Schutz abläuft. Einmal Impfpass hochladen, fertig.

Häufige Fragen

Was kosten Impfungen ungefähr?+

Je nach Praxis und Umfang meist zwischen 50 und 80 € pro Termin (inklusive Allgemeinuntersuchung, nach Gebührenordnung GOT). Die Grundimmunisierung im ersten Jahr ist entsprechend teurer als die späteren Auffrischungen.

Mein Hund ist ein reiner „Stadthund“ – braucht er Leptospirose wirklich?+

Gerade dann: Leptospiren lauern in Pfützen, stehenden Gewässern und überall, wo Ratten und Mäuse unterwegs sind – also auch mitten in der Stadt. Die StIKo Vet zählt Leptospirose ausdrücklich zu den Core-Impfungen.

Der Impfpass ist verloren gegangen – was jetzt?+

Deine Tierarztpraxis kann aus der Patientenakte ein Ersatzdokument ausstellen. Ist die Historie unklar, hilft eine Titerbestimmung oder im Zweifel eine Neuimpfung – das klärt ihr gemeinsam mit der Praxis.

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